Kunst & Antiquitäten in der WELTKUNST: "Seelenverwandte: Die Messen in München" von Gloria Ehret

Kunst & Antiquitäten in der WELTKUNST: "Seelenverwandte: Die Messen in München" von Gloria Ehret

Die Kunst&Antiquitäten zieht es in den Olympiapark, die Highlights in der Residenz freut sich über hochkarätige Wiederkehrer. Und beide Messen setzen wie gewohnt ihre Glanzlichter im Münchner Kunstherbst.

Kunst & Antiquitäten

Kein déja vu! Man darf gespannt sein auf die neue Location. Nach Jahren im Postpalast hat die bewährte Truppe zusammen mit einigen Neuausstellern nun die sogenannte Kleine Olympia-Halle erobert. Dort ist nach längerer Pause auch Eric Meletta wieder dabei. Neben ausgefallenen Objekten und Möbeln des 19. und 20. Jahrhunderts dient eine Sammlung Pariser „Mannequins“ – Akademiefiguren aus Künstlerateliers des 18., 19. und 20. Jahrhunderts (1.900¬–17.000 Euro) – als Eye-Catcher. Aus einer französischen Privatsammlung kann der francophile Münchner Händler ein Paar seltener zweiflammiger Girandolen à L’Egyptienne mit der Göttin Isis in patinierter und vergoldeter Bronze auf Marmorsockeln aus den mondänen 1920/30er Jahren anbieten (7.800 Euro). Antikisch-griechisches Flair zeichnet auch Objekte aus dem frühen 19. Jahrhundert in der vielseitigen Offerte von Ehrl (Greding) aus: Etwa eine Pariser Pendule mit Streitwagen des Telemachos, oder eine attraktive Scagliola-Tischplatte mit Apollo und den neun Musen (17.500 Euro). Wer mit einer großen Vogelvoliere aus dem 19. Jahrhundert in Form von Notre Dame in Paris (14.500 Euro) verblüffen will, ist bei Brigitte Martini richtig. Die Wahl fällt hier schwer, denn sie weiß immer mit aussergewöhnlichen Exponaten vergangener Jahrhunderte zu überraschen. So hat sie auch ein Paar Piemonteser Glasvasen des späten 18. Jahrhunderts mit Hinterglasmalerei und Arte Povera (7.500 Euro). Aus Schärding kommt Markus Strassner mit einem klassisch-gemischten Programm: darunter das marktfrische Gemälde „Der Reigen“ von Leo Putz (87.000 Euro) sowie ein venezianisches Aufsatzmöbel aus dem 18. Jahrhundert mit originaler Fassung (18.500 Euro). Von Picasso zeigt er eine bemalte Kermik-Bildplatte mit einem Herrn mit Bart (Auflage: 50 Stück, 29.000 Euro). Dr. Tilman Roatzsch präsentiert zeitlos schöne, erstklassige Biedermeiermöbel.

Petronella van Woensel, Blumenstillleben, Dr. Maria Galen, Kunst&Antiquitäten, Foto: Dr. Maria Galen
Petronella van Woensel, Blumenstillleben, Dr. Maria Galen, Kunst&Antiquitäten, Foto: Dr. Maria Galen

 

Die Altmeisterspezialistin Dr. Maria Galen spannt den Bogen von einer großformatigen „Hl. Barbara“ des Jan Van Cleve III um 1680 (18.000 Euro) bis zu einem Paar kleiner, signierter und 1805 datierter „Stillleben mit Früchten und Blumen“ der angesehenen Petronella van Woensel (26.000 Euro). Die ganze Breite der süddeutschen, Münchner oder Chiemseer Maler vertreten das Stuttgarter Kunsthaus Bühler, Michael Vogt, Gailer, die Galerie Gabelsberg und andere. Nikolaus Fink verweist mit Stolz auf seine Entdeckung eines detailgetreu gemalten, 1896 datierten Winterbildes mit Schlitten und „Wassermühle“ von dem dänischen Maler Holger Møller (11.800 Euro). Impressionisten, österreichische Zwischenkriegskunst und Moderne vertreten Kohlhammer & Mahringer aus Wien. Mindestens von Merian bis Chagall reicht die Grafik-Fülle beim Kunstkabinett Strehler. Vater und Tochter Bierl erfüllen antiquarische Wünsche. Vorstandsmitglied Martin Puch handelt neben Ikonen auch mit Skulpturen. Margarethe (ebenfalls im Vorstand) und Roderich Pachmann zeigen neben Möbeln, ausgefallenem Kunsthandwerk und musealer Volkskunst auch Skulpturen. Dazu gehört die berückend-schöne Halbfigur eines Gottvaters auf einer Wolke von dem Tiroler Bildschnitzer Joseph Georg Witwer (1719–1785) in originaler Fassung (8.500).

Holger Møller, „Wassermühle“, 1896, Öl auf Leinwand, Nikolaus Fink Kunsthandel, Kunst&Antiquitäten, Foto: Nikolaus Fink Kunsthandel
Holger Møller, „Wassermühle“, 1896, Öl auf Leinwand, Nikolaus Fink Kunsthandel, Kunst&Antiquitäten, Foto: Nikolaus Fink Kunsthandel

 

Gut vertreten sind auf der Kunst&Antiquitäten-Messe traditionell Vitrinenobjekte des 18. bis 20. Jahrhunderts. So bei Dr. Birbaumer & Eberhardt vom Timmendorfer Strand mit viel Elfenbein, bei Josip Kutnjak (München) mit Schwerpunkt auf Wiener Bronzen und Volkskunst. Tom Tavcar (Pforzheim) steuert höfische Miniaturen und Dosen bei: Etwa eine Dresdner Quarz-Tabatière mit Rokoko-Goldmontierung um 1760 (24.000 Euro). In dynastische Kreise entführen Kaiser Karl VI. und Elisabeth Christine, die Eltern von Maria Theresia. Sie sind um 1730 als Pendants in Öl auf Karton verewigt (5.800 Euro). Auf Pergament blickt Claudia de Medici mit den Attributen der heiligen Elisabeth von Ungarn den Betrachter an (4.500 Euro). Francis Walter verweist auf eine Pariser Schildpatt-Gold-Tabatière um 1809/19 mit einer Miniatur von Jean Petitot I. Die publizierte Dose stammt aus der Jacquinot-Godart-Kollektion ( 15.000 Euro). 1832/34 hat Stanislaw Marszalkiewicz das Miniaturbildnis des Lagerleiters der russischen Gendarmerie in Warschau, Andey Jakovlevitch Storogenko, gemalt (10.000 Euro). Monika Fahrenson (Brigantine 1900, München) breitet Kunst und Kunsthandwerk vom Jugendstil bis in die 1960er Jahre aus.

Erich Schilling, „Der Schauspieler“, 1926, Kohle-Tusche-Zeichnung, Susanne Bauer, Kunst&Antiquitäten, Foto: Susanne Bauer
Erich Schilling, „Der Schauspieler“, 1926, Kohle-Tusche-Zeichnung, Susanne Bauer, Kunst&Antiquitäten, Foto: Susanne Bauer

 

Als Neuausstellerin aus Wien ist Susanne Bauer bei Kunst & Antiquitäten zu begrüßen. München erweist sie mit einer 1926 im Simplicissimus erschienenen Kohle-Tusche-Zeichnung „Der Schauspieler“ von Erich Schilling die Ehre. Der begleitende Text im typischen Simplicissimus-Stil lautet: „ Wenn ich auf der Bühne stehe, komme ich mir vor wie ein Gott. Aber nachher zu Hause weiß ich, ich bin nur ein Genie“ (3.800 Euro). Ein weiteres Beispiel aus dieser lebensfrohen Epoche sind ihre zwei extravaganten tonnenförmigen, herrlich bunt gemusterten französischen Cocktail Fauteuils nach Entwurf von Jan Churchill um 1930 (7.600 Euro): Damit leben die goldenen „roaring twenties“ wieder so richtig auf!

Quarz-Tabatière mit Rokoko-Goldmontierung, Dresden, um 1760, Tom Tavcar, Kunst&Antiquitäten, Bild: Tom Tavcar
Quarz-Tabatière mit Rokoko-Goldmontierung, Dresden, um 1760, Tom Tavcar, Kunst&Antiquitäten, Bild: Tom Tavcar

 

Ralf Schepers sorgt für das elegante Tafelsilber. Neue Wege beschreitet der engagierte Silberspezialist Christopher Kende aus Tübingen: Er schließt mit jungen, talentierten englischen Silberschmiede-Künstlern Kooperationen ab. Darunter sind Preisträger – denn in England wird das gehobene Kunsthandwerk gefördert – deren Objekte bereits von Museen oder dem Königshaus angekauft wurden. Daneben bedient er den „kultivierten“ Haushalt nach wie vor mit schönstem, gängigem Tafelsilber. Max Lerch, Teppichspezialist in zweiter Generation und im Messevorstand, verweist auf einen „Wandgen“ aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (6.500 Euro). Diese tibetischen Meditations-Teppiche mit einer ganz speziellen Struktur waren den Lamas bzw. den Vorstehern buddhistischer Klöster vorbehalten. Nach Peking entführt uns sein sehr seltener chinesischer Drachenteppich mit fünf, dem Kaiserhaus vorbehaltenen Klauen, aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (18.500 Euro). Peter Hardt und Nahim Rafiq steuern Asiatica bei sowie Karl Jürgen Schlotter Tibetica.

Tibetanischer Meditationsteppich, 19. Jahrhundert, 95 x 90 cm, Max Lerch, Kunst&Antiquitäten, Foto: Max Lerch
Tibetanischer Meditationsteppich, 19. Jahrhundert, 95 x 90 cm, Max Lerch, Kunst&Antiquitäten, Foto: Max Lerch

 

Und zu guter Letzt: wer sonst schon alles hat und aus Platz- oder anderen Gründen nach Schmuck Ausschau hält, der kann sich auf beiden Messen kaum satt sehen: Bei den Highlights funkeln die Juwelen in den Vitrinen von VKD Juwels (Van Kranenburg Duffels, London, Mailand), während Almut Wager (München) eine Sammlung bezaubernder Schmuckstücke mit Tierdarstellungen aus der Antike sowie dem 17. bis 20. Jahrhundert mit einer Preisspanne von 1.500 bis 15.000 Euro ausbreitet. In die Kleine Olympiahalle bringt Wolfgang Gützlaf (Berlin) Art-Nouveau- und Art- Deco-Preziosen mit. Das Fuldaer Kunsthaus Nüdling verweist auf eine Auswahl französischer Geschmeide der 1940er Jahre in 18karätigem Gold mit Diamanten und Rubinen (von 3.900 bis 7.800 Euro). Brigitte und Saskia Seewald kombinieren Schmuck und Jugendstil-Glas, Ortrud Müller-Heffter stellt zauberhafte eigene Kreationen mit antiken Originalteilen her.

 

Ganzen Artikel hier lesen